Press Release - "Eine Stadt für Tito"

Inventing a New Communist Capital:...

11.03.2012 14:57

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THOMAS BRUCKERT 13.02.2012 06:35 UHR - AKTUALISIERT 13.02.2012 07:03 UHRRED. FRANKFURT (ODER), FRANKFURT-RED@MOZ.DE
Eine Stadt für TitoSlubice (MOZ) Junge Historiker aus 24 Ländern haben die vergangenen Tage in Frankfurt und Slubice verbracht. Sie aller erforschen in ihren Ländern Themen rund um Krieg, Nachkrieg und Kalten Krieg. Am Sonnabend haben sie ihre Projekte im Collegium Polonicum vorgestellt.
In der vergangenen Woche fand zum dritten Male das "Treffen an der Oder" statt. 28 Forschungsteams mit Teilnehmern aus 24 verschiedenen Ländern stellten am Sonnabend im Collegium Polonicum ihre Arbeiten vor, zu denen sie in den kommenden Monaten Feldforschung betreiben werden. Gefördert von der Geschichtswerkstatt Europa werden diesjährig die Themen Krieg, Nachkrieg und Kalter Krieg thematisiert. Mit Fokus auf mittel- und osteuropäische Geschichte wird beispielsweise erforscht werden, wie sich die Religionen entwickelt haben, wie mit unerwünschten oder behinderten Personen umgegangen wurde oder auch mit Kriegserinnerungen. Am Ende jedes Projektes sollen die Ergebnisse in Broschüren, Radiobeiträgen, Filmen oder Ausstellungen präsentiert werden.
Laut Jennifer Schevardo vom Frankfurter Institut für angewandte Geschichte, soll eine breite Öffentlichkeit in den jeweiligen Ländern erreicht werden. Sie stellt in Aussicht, dass besonders gelungene Projekte möglicherweise auch in Deutschland präsentiert werden. Eine Jury musste aus ungefähr einhundert Bewerbern aussuchen, wer von der Geschichtswerkstatt Europa gefördert wird. Schevardo erzählt, dass der Jury wichtig war, wie innovativ die Projekte im Länderkontext sind. Sehr gespannt ist die freiberufliche Historikerin auf ein Projekt, in dem die Rolle der Frau im Jugoslawienkrieg erforscht wird.
Auch sehr interessant ist für sie das Projekt "Lebendig, aber behindert". In diesem wird erforscht werden, wo die Wurzeln für Vorurteile gegen Andersartige liegen, mit Fokus auf behinderte Soldaten und Kriegsopfer in der Ukraine. Jenes Projekt wird von Raphael Jung und zwei ukrainischen Kolleginnen durchgeführt. Als das Projekt den Besuchern vom "Treffen an der Oder" vorgestellt wird, zweifeln einige an, dass Behinderte in der Ukraine der Jahre 1945 bis 1960 gesellschaftlich ausgeschlossen wurden. Jung nutzte die Gelegenheit, um deutlich zu machen, dass der Fokus des Projekts nicht darauf liegt, klare und harte Aussagen darüber zu treffen, wie es wirklich war. Vielmehr ginge es darum herauszuarbeiten, warum passierte, was passierte - und letztlich auch, woran man sich gesellschaftlich erinnert.
Bei dem Treffen an der Oder haben die Forscher Gelegenheit, auch mit anderen Projektteilnehmer zu sprechen. So entdeckte Raphael Jung die Gruppe um die Stadt Titograd. Das Thema sei interessant, weil es thematisch klar ist: Die Stadtplanung anschauen und nach Präferenzen des politischen Systems fragen. Projektteilnehmer Darko Karacic aus Bosnien-Herzegowina stellt das Konstrukt der umgewandelten Stadt Podgorica vor. Von 1946 bis 1990 hieß sie Titograd und diente als Projekt des kommunistischen Jugoslawiens. Laut Karacic eignet sich sein Beispiel gut dafür, um das Verhältnis zwischen der Politik der Erinnerung und der Politik des Urbanismus zu zeigen. Karacic, dessen halbe Familie aus der Stadt kommt, führt das Programm mit Milos Vukanovic vom Museum of Montenegro in Cetinje durch. Zusammen mit der Mentorin Iskra Duric aus Titograd wollen sie kritisches Denken bei den Beobachtern provozieren. Bestenfalls tritt dieses Ergebnis auch bei den anderen 27 Projekten ein.

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