09.07.2009 — Dolinka

Traces of forced labour in post-Soviet...

28.01.2010 03:19

 

Wir fahren erneut nach Dolinka. Diesmal kündigen wir uns nicht an und hoffen, daß wir bei unserem erneuten Besuch nicht von den Mitarbeitern des lokalen Museums entdeckt werden.

An unserem Ziel angekommen, fragen wir uns zuerst nach dem Friedhof des Lagers durch. Zu unserer Überraschung kann uns keiner der Befragten, weder Jugendliche noch Erwachsene noch Senioren, die Frage nach dem Bestattungsort für gestorbene Lagerinsassen beantworten. Allein den Weg zum Friedhof für die Kinder von Inhaftierten kann man uns zeigen. Nach dessen Besichtigung fragen wir uns weiter durch den Ort, die ganze Zeit über auf der Suche nach mehr oder weniger bedeutenden, auf jeden Fall aber noch sichtbaren Artefakten des Lagers.

Kinderfriedhof in Dolinka

 

Können uns die Bewohner ab einer geschätzten Altersgrenze von 30 Jahren einiges über die Vergangenheit des Ortes als Lagerstandort erzählen, so können Teenager diesbezügliche Fragen nur unter Mühen beantworten. Es überrascht, daß selbst vor einem ehemaligen Speisesaal und Offizierklub des Lagers - welcher heute als Universalwarengeschäft dient - Jugendliche keine Auskunft auf die Frage geben können, welche der Gebäude der Siedlung aus der Zeit des Lagers stammen. Sie stehen vor einem der prominentesten und noch am besten erhaltenen Gebäude des Lagers und wissen es nicht. Nun könnte man ihnen zu Gute halten, daß es keinerlei Hinweistafel am Gebäude zu dessen Geschichte und wechselnder Funktion gibt. Man kann aber auch unterstellen, daß die Unterrichtung in Heimatkunde in der Schule verbesserungswürdig ist. Wir sind zumindest von dieser Unkenntnis überrascht und hoffen, daß wir in Karaganda besser informierte Gesprächspartner finden.

 

 

 

 

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