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In den Projekten der Geschichtswerkstatt Europa, die sich mit den Begriffen Opfer und Täter auseinandersetzen, geht es um die Schärfung des Blicks für den Handlungsspielraum einzelner Gruppen von Betroffenen und Akteuren, die in die Kernkonflikte des Zwanzigsten Jahrhunderts verwickelt waren. Ziel ist die Sensibilisierung für die gesellschaftlichen Aushandlungsprozesse, in denen erst nach Ende der Kämpfe verhandelt wird, wer als Opfer und wer als Täter gilt, aber auch welche Gruppen verschwiegen werden.

Darüber hinaus gewinnen die oft als passive Beobachter wahrgenommenen Zeitzeugen in den Projekten selbst die Möglichkeit, rückblickend als Akteure aufzutreten, deren Entscheidungen auf der Mikroebene etwas bewirkt haben. Damit verbunden ist die Subjektwerdung von Opfern genauso wie die Entdämonisierung von Tätern, die jenseits ihrer Stigmatisierung als Inkarnation des Bösen als Akteure verstanden werden, die rationale Entscheidungen vollzogen.

[alias] => zwischen-opfern-und-taetern [image] => media/themen/Siemczyno Dorfbewohner unbekannt Foto BV.jpg [title_en] => Between victims and perpetrators [description_en] =>

The projects of Geschichtswerkstatt Europa which explore the concepts of the victim and the perpetrator examine the scope of action of individual groups of people affected by and involved in the major conflicts of the 20th century. The aim is to understand the post-conflict brokering process whereby societies determined who was the victim and who the perpetrator, and which groups to suppress.

The projects give contemporary witnesses, who are often perceived as passive observers, the opportunity to recast themselves retrospectively as active players whose decisions were effective on the micro level. This involves making the victims the subject and de-demonizing the perpetrators who, when no longer stigmatised as evil incarnate, can be seen as active players who made rational decisions.

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Die Geschichtswerkstatt Europa fragt zum Beginn des 21. Jahrhunderts nach der Zukunft der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, da mit dem langsamen Ableben der Erlebnisgeneration eine Veränderung in den europäischen Erinnerungskulturen erfolgt. "Der Zeitzeuge", der bisher als scheinbar direkter Berichterstatter für vermeintliche Authentizität stand, legitimiert nicht mehr die kulturelle Praxis des Erinnerns an die Katastrophen des 20. Jahrhundert. Die Vermittlung von Ursachen und Konsequenzen dieser steht vor neuen methodischen, moralischen und didaktischen Herausforderungen. 

Daraus ergibt sich die Frage, wie die Nachgeborenen heute kritisch mit den Zeugnissen ganz unterschiedlicher Erlebnisgenerationen umgehen. Wie können sie, ohne die Wahrhaftigkeit dieser Erzählungen anzuzweifeln, die so entstandenen Texte in ihrem selbst geschaffenen Entstehungskontext dechiffrieren und Erzählmuster sowie -strategien erkennen? Wie ist es möglich, Zeitzeugen im Prozess des kritischen Umgangs mit der durch den Forscher und Zeitgenossen selbstgeschaffenen hermeneutischen Situation nicht als "lebendigen Text" sondern als individuellen Menschen wahrzunehmen? Wie kann das Wechselspiel aus Annäherung und Distanzierung im Spannungsfeld von Empathie und Analyse einen Gewinn für die Zeitzeugen und die Fragenden entwickeln?

Um diesen Fragen nachzugehen, stellen verschiedene Projekte der Geschichtswerkstatt Europa unterschiedliche Gruppen von Zeitzeugen in den Mittelpunkt ihres Projektes. Andere Projekte verwenden Oral History Interviews zur zusätzlichen Kontextualisierung ihrer Suchbewegungen. Was Ihnen gemein ist: Sie gehören zu den letzten Projekten, die diese Quelle von Legitimation ihrer Arbeit zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust direkt in Anspruch nehmen können.

 

[alias] => die-perspektive-der-zeitzeugen [image] => media/themen/Elektrosila Zeitzeugin FA.jpg [title_en] => The perspective of contemporary witnesses [description_en] =>

At the beginning of the 21st century, Geschichtswerkstatt Europa asks about the future of remembrance regarding the Second World War, as changes are occuring in European cultures of memory through the gradual waning away of witnesses taht are able to give a first-hand account. Having called on the implicit authenticity of first-hand reporters, nowadays contemporary wittnesses alone are no longer able to legitimise the cultural practice of remembering the catastrophes of 20th century history. The discussion of reasons and consequences of these confronts us with new methodical, moral and didactical challenges.

How can younger generations critically come to terms with the accounts of different generations, sharing different experiences? How can they look behind the codes, patterns and strategies of accounts within the specific contexts from which they emanated, without questioning their validity as a whole? How is it possible to keep perceiving wittnesses as individuals in their own right within a hermeneutical process that subjects them to critical scrutiny? How can the simultaneous actions of approaching and distancing oneself, while constantly transgressing the borders of empathical proximity and analytical distance, be of gain to both wittnesses and researchers?

In order to follow up on these questions, different projects of Geschichtswerkstatt Europa have put contemporary wittnesses into the focus of their undertakings. Other projects employ the methods of Oral History in order to further contextualise their research. What unites them: they are among the last projects that will be able to call on this source of legitimisation of their dealing with the history of World War Two and the Holocaust.

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Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Zusammenleben unterschiedlicher ethnischer Gruppen in Mittel- und Osteuropa sowohl in den Städten als auch in den Dörfern zur Normalität. Die bereits vor 1939 existierenden Konfliktlinien wurden in vielen Orten durch Genozid, Bürgerkrieg und die unterschiedlichen Besatzungspolitiken noch verschärft. Da viele dieser Linien bis in die Gegenwart führen, spielt der Zweite Weltkrieg in den europäischen Erinnerungskulturen eine zentrale Rolle als Projektionsfläche für Konflikte, aber auch für die Überwindung dieser durch Akte der Versöhnung. Die Geschichtswerkstatt Europa untersucht in exemplarischen Projekten die Repräsentation von Ethnizität an konkreten Orten in ihrer lokalen Komplexität. Dabei werden die mitteleuropäischen Mosaike nicht allein „rekonstruiert“, sondern der Prozess des erneuten Zusammensetzens hinterfragt. Darüber hinaus wird die Konstruktion von Ethnizität auf der individuellen, lebensweltlichen Ebene nachvollzogen. Deshalb wird im Rahmen der Geschichtswerkstatt Europa anhand einzelner Biographien die Bedeutung ethnischer Identitäten für die Erinnerung an das Europa jenseits der Katastrophe sowie den Einfluss dieser auf den Prozess des Erinnerns untersucht.

[alias] => erinnerung-und-ethnizitaet [image] => media/themen/Projektbild Porajmos.JPG [title_en] => Remembrance and Ethnicity [description_en] =>

The coexistance of diverse ethnic groups in the towns and villages of central and eastern Europe was accepted as normal before WWII. The conflict lines which existed prior to 1939 were exacerbated in many places by genocide, civil war and various occupation policies. Since many of these lines extend to the present day, WWII is central to European remembrance cultures as the cause of conflict, as well as the opportunity for reconciliation.

Geschichtswerkstatt Europa investigates the representation of ethnicity at specific sites in its local complexity. This not only ‚reconstructs’ the mosaic of central Europe, but scrutinises the process of re-assembly, thereby tracing the construction of ethnicity on the level of individual, lived experience. Through individual biographies, Geschichtswerkstatt Europa examines the significance of ethnic identities for remembrance of Europe beyond the catastrophe of war and the influence of this on the process of remembrance.

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Als Quelle historischen Wissens erst nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert, wird heute bereits das Ende der Zeitzeugen debattiert: zentrales Motiv der Diskussion ist dabei der angenommene Verlust eines spezifisch wertvollen Zugangs zur Vergangenheit. Mündlich erfragte Geschichte spielt in den Projekten der Geschichtswerkstatt Europa eine herausgehobene Rolle, erlaubt sie doch eine intensive und unmittelbare Auseinandersetzung junger Europäer mit den Gewalterfahrungen im 20. Jahrhundert und der Erinnerung an diese.

Dies ist nicht möglich, ohne Oral History als Methode, aber auch mit Blick auf die durch sie gewonnenen Erkenntnisse, kritisch anzuwenden: Eine Auseinandersetzung mit der Erinnerung an die Gewalterfahrungen im 20. Jahrhundert muss individuelle wie kollektive, staatlich initiierte wie gesellschaftlich gepflegte Gedächtnisse gleichermaßen berücksichtigen und zu einander in Beziehung setzen.

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Established as a source of historical knowledge only after the Second World War, today the decline of contemporary witnesses is debated. Central to the debate is the presumed loss of a particularly valuable link to history. Oral history is key to the projects of Geschichtswerkstatt Europa, allowing the young Europeans a more intensive and direct engagement with the conflicts of the 20th century and remembrance of them.

This would not be possible without the method of oral history or the ability to critically apply the knowledge gathered in this way. Any discussion of remembrance of the conflicts of the 20th century must take into account both individual and collective memories, those cultivated by the state and society and consider them alongside one another.

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Im Rahmen der Geschichtswerkstatt Europa werden europäische Erinnerungskulturen untersucht. Oft handelt es sich dabei um so genannte Geschichte Zweiten Grades, die bereits in aufbereiteter Form analysiert wird. Dennoch ist auch diese Rezeptionsgeschichte bereits ein Vorgang, der sich in diesen Zeugnissen niederschlägt. Deshalb wird in den Projekten der Geschichtswerkstatt Europa ihr Entstehungskontext beachtet und das Handwerkszeug der Quellenkritik angewandt.

So ist es möglich, so genannte Sekundärquellen als Primärquellen zu lesen und zu analysieren, welche Aussagen sie über die Verarbeitung und Vermittlung von Wissen zulassen. Der kritische Umgang mit sowie die sorgfältige Analyse von Dokumenten lässt sich auch auf andere Quellengattungen wie das Internet, Plakate, Inschriften übertragen.

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Geschichtswerkstatt Europa examines European remembrance cultures. This often involves so-called secondary history, which is analysed in its pre-processed form.  However, reception history is an approach which is already reflected in these testimonies. Therefore, project teams scrutinise the context in which testimonies were created and apply the skills of reading sources critically.

It is therefore possible to read secondary sources as primary sources and to analyse what they reveal about the manipulation and mediation of knowledge. This critical engagement with documents alongside their close analysis can be transferred to other sources such as the internet, posters and inscr

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ERINNERUNGEN AN DEN ZWEITEN WELTKRIEG IM ZEICHEN DES NEUANFANGS (1945 BIS 1960)

Der Zweite Weltkrieg und der aus ihm hervorgehende Kalte Krieg führten zu einer nachhaltigen Spaltung Europas. Diese zeigt sich bis heute in den stark unterschiedlichen Erinnerungskulturen der europäischen Gesellschaften. Die Geschichtswerkstatt Europa 2012 fördert Projekte die das Nachwirken des Zweiten Weltkriegs in den europäischen Gesellschaften in den ersten 15 Jahren nach Kriegsende untersuchen. Die internationalen Projekte sollen damit einen Beitrag zum Verständnis der Formierungsphase europäischer Erinnerungskulturen leisten.

Die Projekte sollen auf einem von drei Themenfeldern angesiedelt sein, die den Umgang mit den Erinnerungen an die Kriegszeit in der Nachkriegszeit besonders prägen: Rückkehr, Transfer und Geschichtspolitik.

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REMEMBRANCES OF WORLD WAR II AND THE NEW BEGINNING OF THE POST-WAR YEARS (1945–1960)

The Second World War and subsequently the Cold War led Europe into a state of enduring division. Evidence of this can be seen today in the greatly differing cultures of memory and remembrance in European societies. In the programme year 2012, Geschichtswerkstatt Europa funds projects that examine the after effects of the Second World War on European societies in the first 15 post-war years. These international projects should make a contribution to our understanding of the formative years of European cultures of remembrance.

The projects should consider one of three topic areas – each of which particularly highlights the different practises of remembrance of the war in the post war years: going back, exchange and the politics of history.

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Nach dem Krieg wurden diese als polnisches Arbeits- und Umsiedlungslager eingerichtet, in dem 1945/46 Deutsche interniert waren, die nach Beschlüssen der Potsdamer Konferenz aus Schlesien ausgesiedelt wurden. Die Geschichte dieses Ortes wurde noch in keiner Publikation behandelt, so dass viele Fragen offen sind, beispielsweise zur Entstehung des Lagers. In der Stadt gibt es nur wenige Spuren, etwa ein Massengrab sowjetischer Kriegsgefangener und eine kleine Erinnerungstafel. Zwar unternimmt eine Gruppe von Einwohnern gerade eine Initiative, um einen Erinnerungspfad beziehungsweise eine kleine Gedenkstätte einzurichten. Dies dauert jedoch und die Zeit, die letzten Erinnerungen der Bewohner des Ortes festzuhalten, rennt davon. Hauptteil unserer Arbeit werden also ausführliche Interviews mit den ältesten Bewohnern der Stadt, den wenigen Zeitzeugen, sein. Kombinieren möchten wir diese Zeugnisse mit historischen Dokumenten über das Barackenlager. 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After the war these camps were established as Polish labour and resettlement camps, where in 1945/46 Germans were interned, who according to the resolutions of the Potsdam Conference, had to be displaced from Silesia. The history of this location has never been studied in a publication, so that many questions remain unanswered, e.g. as to the creation of the camp. In the city there are just few traces: a mass grave of Soviet prisoners of war and a small memorial plaque. A group of residents, however, just started an initiative to establish a “path of remembrance” or a small memorial site. This takes time, but the time to chronicle the residents’ last memories is running out. The main part of our work will be extensive interviews with the eldest residents, the few witnesses to history, of the city. We would like to combine these accounts with historic documents concerning the barracks camp. Historians will assist with our selection of historic documents and traces. 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Ein Lager unter zwei Regimen. Spuren der Erinnerung an Lasowice

  In dem deutsch-polnischen Projekt steht ein Stadtteil von Tarnowskie Góry (Tarnowitz), der durch die Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet ist, als historischer Schauplatz im Mittelpunkt. In Lasowice suchen wir nach Spuren der Erinnerung an die Gewalttaten und möchten die recherchierten Erinnerungen und Zeugnisse filmisch festhalten. In der Kriegszeit unter dem NS Regime wurden in Lasowice Lagerbaracken gebaut, in denen zunächst Juden isoliert wurden. Dann kamen sowjetische und englische Kriegsgefangene in die Baracken (Arbeitskommando des Lagers Teschen und dann des Lagers Lamsdorf). Nach dem Krieg wurden diese als polnisches Arbeits- und Umsiedlungslager eingerichtet, in dem 1945/46 Deutsche interniert waren, die nach Beschlüssen der Potsdamer Konferenz aus Schlesien ausgesiedelt wurden. Die Geschichte dieses Ortes wurde noch in keiner Publikation behandelt, so dass viele Fragen offen sind, beispielsweise zur Entstehung des Lagers. In der Stadt gibt es nur wenige Spuren, etwa ein Massengrab sowjetischer Kriegsgefangener und eine kleine Erinnerungstafel. Zwar unternimmt eine Gruppe von Einwohnern gerade eine Initiative, um einen Erinnerungspfad beziehungsweise eine kleine Gedenkstätte einzurichten. Dies dauert jedoch und die Zeit, die letzten Erinnerungen der Bewohner des Ortes festzuhalten, rennt davon. Hauptteil unserer Arbeit werden also ausführliche Interviews mit den ältesten Bewohnern der Stadt, den wenigen Zeitzeugen, sein. Kombinieren möchten wir diese Zeugnisse mit historischen Dokumenten über das Barackenlager. Bei der Auswahl der historischen Unterlagen und Spuren stehen uns Historiker zur Seite. Unser Projektergebnis wollen wir in der Stadt präsentieren und dem örtlichen Museum sowie der Initiative, die die Gedenkstätte einrichten möchte, schenken.  

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