Diktatur, Krieg, Zwangsarbeit und Völkermord prägten das Europa des 20. Jahrhunderts. Sie führten zu millionenfachem Tod, aber auch zu massenhafter Zwangsmigration, die in die Erinnerungskulturen europäischer Gesellschaften als Deportation, Flucht, Evakuierung, Umsiedlung, Auswanderung, Repatriierung, Vertreibung u. a. eingegangen sind. Für Überlebende und Nachgeborene bleibt die Herausforderung, dass ihre Erinnerungen an diese Gewalterfahrungen auf Orte Bezug nehmen, die oft weitab vom ihrem heutigen Lebensmittelpunkt liegen. Die geographische Entfernung wird durch eine kulturelle Distanz verstärkt, die daraus resultiert, dass dort heute zumeist andere Menschen leben, deren Erinnerung zu ebenso entfernten Orten führt.
Spätestens seit dem Fall des Eisernen Vorhangs kann man an diese Orte wieder zurückkehren, sie besuchen und sie erforschen. Die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit, aber auch zwischen den Orten wird seither in Form von Reisen, Erzählungen, Symbolen und Ritualen hergestellt. Durch die so geprägten Pfade der Erinnerung werden Wege der Zwangsmigration vergegenwärtigt und die aus ihnen resultierende Distanz verringert.
Die Stiftung EVZ fördert im Rahmen der Geschichtswerkstatt Europa im Programmjahr 2010 internationale Teams, die gemeinsam einen oder mehrere Pfade der Erinnerung analysieren und heute eine besondere Relevanz aufweisen. Das bedeutet, dass ihr Projekt ein Verständigungs-, Annäherungs-, bzw. ein Konfliktpotenzial für die jeweiligen Gesellschaften hat.