Im Zuge des Zwanzigsten Jahrhunderts wurde Zwangsarbeit als Handlungsoption zu einem Kennzeichen moderner, rationaler, wirtschaftlicher, staatlicher Logik. In autoritären und totalitären Staaten wie dem Dritten Reich und der Sowjetunion wurde Zwangsarbeit zu einem wirtschaftspolitischen Instrument wurde, das Millionen von Menschen das Leben kostete.
Wie wird diese Entwicklung in unterschiedlichen europäischen Gesellschaften heute thematisiert? Welche Bedeutung hat dabei die Entfernung der Einsatzorte zu den heutigen Wohnorten der Betroffenen und ihrer Nachfahren für die Erinnerung an das widerfahrene Unrecht? Die Geschichtswerkstatt Europa ist diesen Fragen in besonderer Weise verpflichtet, da die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ im Jahre 2000 gegründet wurde, um vor allem Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter zu leisten. Heute zählen das Engagement für die Opfer des Nationalsozialismus und die Auseinandersetzung mit der Geschichte zu den zentralen Handlungsfeldern der Stiftung.
[alias] => zwangsarbeit-europaeisch-erinnern [image] => media/themen/Perm36FA.jpg [title_en] => European remembrance of forced labour [description_en] =>In the 20th century forced labour became the hallmark of modern, rational, economical state logic. In authoritarian and totalitarian states like the Third Reich and the Soviet Union forced labour became an instrument of economic policy which cost millions of people their lives.
How is this development treated in different European societies today? What relevance does the removal of these sites have to those who were involved and where they live now, as well as to their descendents and what significance does it have for the remembrance of the injustice that they suffered? Geschichtswerkstatt Europa is particularly engaged with these questions because the Foundation for Remembrance, Responsibility and the Future was set up in 2000 to make payments to former forced labour camp internees. Central to the Foundation’s work today is the commitment to the victims of Nazism and the exploration of this period.
[parentJumpTo] => 0 [parentLink] => View the item details [parentUrl] => expired-project-details/items/workutlag.html ) [3] => Array ( [id] => 9 [pid] => 3 [sorting] => 252 [tstamp] => 1248196539 [title_de] => Erinnerung und Ethnizität [description_de] =>Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Zusammenleben unterschiedlicher ethnischer Gruppen in Mittel- und Osteuropa sowohl in den Städten als auch in den Dörfern zur Normalität. Die bereits vor 1939 existierenden Konfliktlinien wurden in vielen Orten durch Genozid, Bürgerkrieg und die unterschiedlichen Besatzungspolitiken noch verschärft. Da viele dieser Linien bis in die Gegenwart führen, spielt der Zweite Weltkrieg in den europäischen Erinnerungskulturen eine zentrale Rolle als Projektionsfläche für Konflikte, aber auch für die Überwindung dieser durch Akte der Versöhnung. Die Geschichtswerkstatt Europa untersucht in exemplarischen Projekten die Repräsentation von Ethnizität an konkreten Orten in ihrer lokalen Komplexität. Dabei werden die mitteleuropäischen Mosaike nicht allein „rekonstruiert“, sondern der Prozess des erneuten Zusammensetzens hinterfragt. Darüber hinaus wird die Konstruktion von Ethnizität auf der individuellen, lebensweltlichen Ebene nachvollzogen. Deshalb wird im Rahmen der Geschichtswerkstatt Europa anhand einzelner Biographien die Bedeutung ethnischer Identitäten für die Erinnerung an das Europa jenseits der Katastrophe sowie den Einfluss dieser auf den Prozess des Erinnerns untersucht.
[alias] => erinnerung-und-ethnizitaet [image] => media/themen/Projektbild Porajmos.JPG [title_en] => Remembrance and Ethnicity [description_en] =>The coexistance of diverse ethnic groups in the towns and villages of central and eastern Europe was accepted as normal before WWII. The conflict lines which existed prior to 1939 were exacerbated in many places by genocide, civil war and various occupation policies. Since many of these lines extend to the present day, WWII is central to European remembrance cultures as the cause of conflict, as well as the opportunity for reconciliation.
Geschichtswerkstatt Europa investigates the representation of ethnicity at specific sites in its local complexity. This not only ‚reconstructs’ the mosaic of central Europe, but scrutinises the process of re-assembly, thereby tracing the construction of ethnicity on the level of individual, lived experience. Through individual biographies, Geschichtswerkstatt Europa examines the significance of ethnic identities for remembrance of Europe beyond the catastrophe of war and the influence of this on the process of remembrance.
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Ein wichtiges Konzept, in dem Erinnerung als Identität stiftender Prozess mit einer räumlichen Dimension verknüpft wurde, ist in den lieux de mémoire bzw. Erinnerungsorten auszumachen, die nach Pierre Nora von Hagen Schulze, Etienne François und anderen weiter entwickelt wurden. In den Projekten der Geschichtswerkstatt Europa werden europäische Kulturlandschaften nach jenen Kristallisationspunkten untersucht, die generationenübergreifend eine starkes Potenzial zur Schaffung kollektiver Identität aufweisen.
[alias] => analyse-von-erinnerungsraeumen [image] => media/methoden/Kuestrin Obelisk Aufnahme BV.JPG [title_en] => Analysis of sites of remembrance [description_en] =>History always has both a temporal and a spatial dimension. As chronology has become the fundamental structure of narrated history, the analysis of spatial structures has long been neglected. Inspired by the ideas of Karl Schlögel, Geschichtswerkstatt Europa provides the opportunity to reconsider Europe as a space and to reconstruct it intellectually. Excursions and site visits are therefore a vital element of many projects.
The terms lieux de mémoire or sites of memory/remembrace (Erinnerungsorten) developed by Hagen Schulze, Etienne François and others after Pierre Nora, conceptualise memory/remembrance as an identity-forming process with a spatial dimension. The projects of Geschichtswerkstatt Europa look for these ‚points of crystallisation’ in European cultural landscapes which offer the greatest potential for collective identity creation across the generations.
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Dies ist nicht möglich, ohne Oral History als Methode, aber auch mit Blick auf die durch sie gewonnenen Erkenntnisse, kritisch anzuwenden: Eine Auseinandersetzung mit der Erinnerung an die Gewalterfahrungen im 20. Jahrhundert muss individuelle wie kollektive, staatlich initiierte wie gesellschaftlich gepflegte Gedächtnisse gleichermaßen berücksichtigen und zu einander in Beziehung setzen.
[alias] => oral-history [image] => media/methoden/Neumark Exkursion Zeitzeugen Gespraech CaroMekelburg.JPG [title_en] => Oral history [description_en] =>Established as a source of historical knowledge only after the Second World War, today the decline of contemporary witnesses is debated. Central to the debate is the presumed loss of a particularly valuable link to history. Oral history is key to the projects of Geschichtswerkstatt Europa, allowing the young Europeans a more intensive and direct engagement with the conflicts of the 20th century and remembrance of them.
This would not be possible without the method of oral history or the ability to critically apply the knowledge gathered in this way. Any discussion of remembrance of the conflicts of the 20th century must take into account both individual and collective memories, those cultivated by the state and society and consider them alongside one another.
[parentJumpTo] => 0 [parentLink] => View the item details [parentUrl] => expired-project-details/items/workutlag.html ) [5] => Array ( [id] => 9 [pid] => 4 [sorting] => 896 [tstamp] => 1248196975 [title_de] => Transkulturelle Reflexion [description_de] =>Ein zentrales Kennzeichen der Geschichtswerkstatt Europa ist, dass in den Projekten Träger unterschiedlicher Kulturen gemeinsam ein inhaltliches Thema behandeln. Dadurch findet das Projekt von Anfang an in Form eines Dialogs bzw. Trialogs statt, der auch die Grenzen gemeinsamer Diskussionen aufzeigt. Erst im Zuge der Projektarbeit werden inhaltliche Differenzen deutlich, aber auch die kulturelle Prägung, die bedingt, wie und warum die Teilnehmer eigentlich ihr Projekt durchführen.
Oft löst in den interdisziplinären Projekten gerade die Einsicht in unterschiedliche kulturelle und wissenschaftliche Sozialisationen Krisen aus. Diese werden in der Geschichtswerkstatt Europa nicht vermieden, sondern als Kernbestandteil der Projektarbeit thematisiert. Die Chance einer Bewältigung dieser Krisen besteht darin, die Bedeutung von eigenen nationalen Prägungen gegenseitig zu hinterfragen und diese zu relativieren, indem durch die Konfrontation der eigenen Wissenskultur mit anderen Grundannahmen scheinbare Gewissheiten ins Wanken geraten.
[alias] => transkulturelle-reflexion [image] => media/methoden/TadO2008 Schloegel u Garai Gespraech GB.JPG [title_en] => Transcultural reflection [description_en] =>It is fundamental to Geschichtswerkstatt Europa that the projects bring together participants from different cultures to work on one theme. From the outset the projects therefore involve dialogue, which reveals the limitations of collective discussions. It is only in the course of the project work that differences become apparent, as well as cultural conditioning, dependent on how and why the participants carry out their project.
Interdisciplinary projects often trigger different cultural and academic crises of socialisation. These are not ignored by Geschichtswerkstatt Europa, but are instead thematised as an important part of the project work. These crises can be overcome by questioning and qualifying the significance of ones own cultural conditioning, while challenging the certainties of ones own knowledge by confronting it with other fundamental assumptions.
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[description_en] => After his Teaching Degree for History, Social Sciences and German as a Foreign Language at Dresden University, Thomas Milde held a lectureship of the Robert Bosch Stiftung at Orenburg State University in Russia for two years. Since then he concentrates on Russia and Postsoviet States in searching and researching memories and remembrances among travelling remote places such in 2010 within the project „VorkutLag / Vorkuta – a mining town in the Russian polar region: Remembering the Soviet Union in two different ways“ (Paths of Remembrance). Motivated by the conclusion of the project that transcultural reflected exchange provides working on different remembrances, he developes didactic and methodic units to approach „Paths to the GULag“ within the scholarship „Innovationsstipendium“ of Robert Bosch Stiftung. 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Für Überlebende und Nachgeborene bleibt die Herausforderung, dass ihre Erinnerungen an diese Gewalterfahrungen auf Orte Bezug nehmen, die oft weitab vom ihrem heutigen Lebensmittelpunkt liegen. Die geographische Entfernung wird durch eine kulturelle Distanz verstärkt, die daraus resultiert, dass dort heute zumeist andere Menschen leben, deren Erinnerung zu ebenso entfernten Orten führt.
Spätestens seit dem Fall des Eisernen Vorhangs kann man an diese Orte wieder zurückkehren, sie besuchen und sie erforschen. Die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit, aber auch zwischen den Orten wird seither in Form von Reisen, Erzählungen, Symbolen und Ritualen hergestellt. Durch die so geprägten Pfade der Erinnerung werden Wege der Zwangsmigration vergegenwärtigt und die aus ihnen resultierende Distanz verringert.
Die Stiftung EVZ förderte im Rahmen der Geschichtswerkstatt Europa im Programmjahr 2010 internationale Teams, die gemeinsam einen oder mehrere Pfade der Erinnerung analysierten, die heute eine besondere Relevanz aufweisen. Das bedeutete, dass ihr Projekt ein Verständigungs-, Annäherungs-, bzw. ein Konfliktpotenzial für die jeweiligen Gesellschaften hatte.
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Twentieth-century Europe has been marked by dictatorship, war, forced labour and genocide. This has resulted in not only millions of deaths but also enforced migration, which has become stored in the collective memory as deportation, flight, evacuation, displacement, emigration, repatriation, dispossession, etc.. The challenge facing survivors and their descendants is that memories of these acts of violence are often connected with places very far removed from their current lives. The geographical distance is intensified by the cultural distance which is created as those places are inhabited nowadays by different people whose memories relate to other, equally distant places.
With the fall of the Iron Curtain it has become increasingly possible to return to these places, to visit and study them. The connection between the past and the present, indeed, between one place and another, has been established since then by way of journeys, narration, symbols and rituals. The Paths of Remembrance thus taken help to recollect routes of forced migration and to reduce the distance that eventuated from it.
In the programme year 2010, within the framework of Geschichtswerkstatt Europa, the Foundation EVZ funded international teams as they collaborated on analysis of one or more Paths of Remembrance of particular relevance today. This means that the subject of project work needed to have the potential to create understanding, reconciliation and/or conflict for the societies concerned.
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Außerhalb Russlands wird die Erinnerung an die Sowjetunion häufig verbunden mit dem GULag. Die Arbeitslager für politische Gefangene (VorkutLag) der Polarstadt Vorkuta sind daher in Westeuropa bekannt. Die Erinnerung daran beschränkt sich in Vorkuta selbst jedoch größtenteils auf das Familiengedächtnis. Neben dem fehlenden Interesse der politischen Öffentlichkeit an einer Aufarbeitung existiert ein weiterer Grund für die Verdrängung dieser Erinnerung: Die Erinnerung an die prosperierende Bergbaustadt Vorkuta der 1970er/1980er Jahre. Um der Frage nach den Überlappungen dieser Erinnerungen nachzugehen, werden von russischen und deutschen Studierenden und BerufsschülerInnen Orte ausgemacht, an denen sich konkurrierende Erinnerungen festmachen lassen. Durch die direkte Zusammenarbeit mit ZeugInnen und AkteurInnen der Erinnerungspolitik können Zwischentöne, Schattierungen, tabuisierte Themen und Vergessenes offen gelegt werden – all das, was den begradigten, offiziellen Erinnerungspfad verunstaltet, aber dennoch Bestandteil der Erinnerung an die Sowjetunion in Vorkuta ist.
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