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Die Karte Europas lässt sich als vielschichtige Überlagerung von Erinnerungslandschaften lesen. Diese physischen und mentalen Räume repräsentieren dabei Narrative, die den Zweiten Weltkrieg in besonderer Art und Weise in nationale, regionale und lokale Geschichten einbetten. Jede europäische Gesellschaft, die von der Zerstörung betroffen bzw. an dieser beteiligt war, entwickelte einen anderen Umgang mit ihrer Vergangenheit um.

Noch heute prägen die daraus resultierenden Unterschiede das Selbstbild, aber auch die Fremdbilder europäischer Nationen. Im Rahmen der Geschichtswerkstatt Europa wird in kleinen internationalen Projekten und anhand konkreter Fälle analysiert wie sich die daraus gewonnenen Identitäten in Erinnerungsorten kristallisieren und warum sie noch immer Konflikt-, aber auch Versöhnungspotenzial bergen.

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The map of Europe can be seen in terms of multi-layered, overlapping remembrance landscapes. These physical and mental spaces represent narratives which anchor the Second World War in national, regional and local histories. Every European society that was affected by or involved in the devastation of the war developed a different relationship with their past.

Even today these differences still shape European nations’ sense of identity and perception of other nations. Through small international projects and case studies, the Geschichtswerkstatt Europa explores how these identities are manifest at sites of remembrance and why they continue to be the focus for both conflict and reconciliation.

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Geschichte hat immer eine zeitliche und eine räumliche Dimension. Während die Chronologie zu einer Grundstruktur von erzählter Geschichte geworden ist, geriet die Analyse von räumlichen Strukturen über lange Zeit ins Hintertreffen. Inspiriert von den Ideen Karl Schlögels bietet die Geschichtswerkstatt Europa einen Rahmen, um Europa als Raum neu zu vermessen und ihn gedanklich neu zusammenzufügen. Dafür sind die Exkursion und die Besichtigung der Orte selbst zu einem prägenden Element vieler Projekte geworden.

Ein wichtiges Konzept, in dem Erinnerung als Identität stiftender Prozess mit einer räumlichen Dimension verknüpft wurde, ist in den lieux de mémoire bzw. Erinnerungsorten auszumachen, die nach Pierre Nora von Hagen Schulze, Etienne François und anderen weiter entwickelt wurden. In den Projekten der Geschichtswerkstatt Europa werden europäische Kulturlandschaften nach jenen Kristallisationspunkten untersucht, die generationenübergreifend eine starkes Potenzial zur Schaffung kollektiver Identität aufweisen.

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History always has both a temporal and a spatial dimension. As chronology has become the fundamental structure of narrated history, the analysis of spatial structures has long been neglected. Inspired by the ideas of Karl Schlögel, Geschichtswerkstatt Europa provides the opportunity to reconsider Europe as a space and to reconstruct it intellectually. Excursions and site visits are therefore a vital element of many projects.

The terms lieux de mémoire or sites of memory/remembrace (Erinnerungsorten) developed by Hagen Schulze, Etienne François and others after Pierre Nora, conceptualise memory/remembrance as an identity-forming process with a spatial dimension. The projects of Geschichtswerkstatt Europa look for these ‚points of crystallisation’ in European cultural landscapes which offer the greatest potential for collective identity creation across the generations.

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Im Rahmen der Geschichtswerkstatt Europa wird der systematische Vergleich in Verbindung mit anderen Methoden eingesetzt, weil er das Potenzial zu einer vertiefenden Analyse bietet und über eine rein nationale Sichtweise hinaus weist. Dabei werden am Projektbeginn Parameter festgelegt, nach denen sich zwei Fälle, zwei Orte oder zwei Perspektiven bezüglich ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede befragen lassen.

Die potenzielle Gefahr einer Nationalisierung im Vergleich zweier exemplarischer Beispiele wird im Rahmen der Geschichtswerkstatt Europa nicht gänzlich überwunden. Es wird in den einzelnen Projekten aber der Versuch unternommen, kulturelle Transferprozesse zu erkennen, die eine innere Dynamik bzw. Vernetzung zwischen den gewählten Beispielen aufzeigt und dort ihr Verhältnis selbst zum Thema der Untersuchung macht.

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Geschichtswerkstatt Europa uses systematic comparison in conjunction with other methods, because it allows for a deeper analysis which moves beyond a purely national viewpoint. At the start of a project, the parameters are determined for a comparison of the similarities and differences of two cases, geographical locations or perspectives.

The potential danger of nationalisation when comparing two examples is not entirely avoided by Geschichtswerkstatt Europa. However, the individual projects attempt to acknowledge the process of cultural transfer, which reveals the inner dynamic or links between the two chosen examples and shapes their relationship to the theme of the investigation.

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Ein zentrales Kennzeichen der Geschichtswerkstatt Europa ist, dass in den Projekten Träger unterschiedlicher Kulturen gemeinsam ein inhaltliches Thema behandeln. Dadurch findet das Projekt von Anfang an in Form eines Dialogs bzw. Trialogs statt, der auch die Grenzen gemeinsamer Diskussionen aufzeigt. Erst im Zuge der Projektarbeit werden inhaltliche Differenzen deutlich, aber auch die kulturelle Prägung, die bedingt, wie und warum die Teilnehmer eigentlich ihr Projekt durchführen.

Oft löst in den interdisziplinären Projekten gerade die Einsicht in unterschiedliche kulturelle und wissenschaftliche Sozialisationen Krisen aus. Diese werden in der Geschichtswerkstatt Europa nicht vermieden, sondern als Kernbestandteil der Projektarbeit thematisiert. Die Chance einer Bewältigung dieser Krisen besteht darin, die Bedeutung von eigenen nationalen Prägungen gegenseitig zu hinterfragen und diese zu relativieren, indem durch die Konfrontation der eigenen Wissenskultur mit anderen Grundannahmen scheinbare Gewissheiten ins Wanken geraten.

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It is fundamental to Geschichtswerkstatt Europa that the projects bring together participants from different cultures to work on one theme. From the outset the projects therefore involve dialogue, which reveals the limitations of collective discussions. It is only in the course of the project work that differences become apparent, as well as cultural conditioning, dependent on how and why the participants carry out their project.

Interdisciplinary projects often trigger different cultural and academic crises of socialisation. These are not ignored by Geschichtswerkstatt Europa, but are instead thematised as an important part of the project work. These crises can be overcome by questioning and qualifying the significance of ones own cultural conditioning, while challenging the certainties of ones own knowledge by confronting it with other fundamental assumptions.

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Im Förderzeitraum 2009 war die Geschichtswerkstatt Europa dem Schwerpunkt "Schichten der Erinnerung" gewidmet. 28 internationale Teams analysierten, wie heute in Europa an mehrfache Gewalterfahrungen erinnert wird. Sie analysierten in ihren Projekten, wie sich in Dörfern, Städten und Regionen Erinnerungen an Gewalt, Widerstand, Opposition, Zivilcourage und Solidarität im 20. Jahrhundert überlagern.

Weitere Fragen lauteten: Wie kristallisieren sich diese Erinnerungen in Museen, Denkmälern und an anderen Orten? Wie werden Erinnerungsmuster von Generation zu Generation in unterschiedlichen Kulturen geprägt? Wie verändert sich die Vermittlung von Vergangenheit nach dem Ableben der Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs?

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In 2009 Geschichtswerkstatt Europa was focussing on ´layers of remembrance´, 28 international teams were analysing the ways in which Europe today remembers its many conflicts. The projects investigated how memories of violence, resistance, opposition, civilian courage and solidarity in the 20th century are layered and overlapped in villages, towns and regions.

Further questions posed were: how are these memories embodied in museums, memorials and other sites? How are patterns of memory shaped and passed down from generation to generation in different cultures? As there are fewer surviving contemporary witnesses of the Second World War, how is the articulation of the past changing?

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Die öffentliche Wahrnehmung von Denkmälern des Zweiten Weltkriegs in der Slovakei und Bosnien-Herzegowina

Slowakei · Bosnien-Herzegowina

 

Dieses Projekt erforscht die sich wandelnde Deutung der Geschichte in der Slowakei und in Bosnien-Herzegowina anhand der öffentlichen Wahrnehmung von Mahnmalen des Zweiten Weltkriegs zwischen 1945 und heute. Als frühere Konstituenten der kommunistischen „Vielvölkerstaaten“ Tschechoslowakei und Jugoslawien, streben die beiden souveränen Staaten nun eine eigene Erinnerungspolitik bezüglich des Zweiten Weltkriegs an. Den ersten Schritt der Untersuchung bildet die Auswahl einzelner Mahnmale in beiden Ländern, deren Bau, inhaltlich-ikonografische Ausrichtung und städtebauliche Bedeutung während und nach der Zeit des Kommunismus sodann beleuchtet werden soll. Dafür werden wir sowohl kommunistische Sekundärliteratur als auch Materialien aus Belgrader und Prager Archive sichten, um Bilddokumentationen der an diesen Plätzen abgehaltenen öffentlichen Zeremonielle vom Zeitpunkt Ihrer Konstruktion bis heute zu erstellen. Eine Fotodokumentation der ausgewählten Orte wird den gegenwärtigen Zustand der Anlagen im Kontext ihrer Umgebung festhalten. Schließlich werden die textlich und bildlich erschlossenen Erinnerungslandschaften vor und nach der Transformation beider Länder in Form einer Internet-Ausstellung präsentiert.

 

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Die öffentliche Wahrnehmung von Denkmälern des Zweiten Weltkriegs in der Slovakei und Bosnien-Herzegowina

Slowakei · Bosnien-Herzegowina

 

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Public usage of WW II monuments in Slovakia and Bosnia-Herzegovina 

Slovakia · Bosnia-Herzegovina

 

The aim of this project is to research the changing perception of the past in Slovakia and Bosnia-Herzegovina through the public reception of WWII monuments from 1945 to the present. As former parts of the composite multinational communist states of Czechoslovakia and Yugoslavia, both sovereign states are now developing their own agendas of remembrance concerning WWII. The first stage of the project will be to select particular WWII monuments in both countries and then to investigate the context of their construction, their iconography and how they were utilised in public life in the Communist and post-Communist periods.  We will examine Communist secondary literature on these memorials, as well as material in the Belgrade and Prague archives in order to compile visual documentations of the public ceremonies at these sites from their construction to the present. The sites selected for study will be photographically documented by the researchers to record the current state of the monuments and the surrounding landscape. We will create an internet exhibition to show the visual and textual documents of the remembrance landscapes before and after the transformation of both countries. 

 

 

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Public usage of WW II monuments in Slovakia and Bosnia-Herzegovina 

Slovakia · Bosnia-Herzegovina

 

The aim of this project is to research the changing perception of the past in Slovakia and Bosnia-Herzegovina through the public reception of WWII monuments from 1945 to the present. As former parts of the composite multinational communist states of Czechoslovakia and Yugoslavia, both sovereign states are now developing their own agendas of remembrance concerning WWII. The first stage of the project will be to select particular WWII monuments in both countries and then to investigate the context of their construction, their iconography and how they were utilised in public life in the Communist and post-Communist periods.  We will examine Communist secondary literature on these memorials, as well as material in the Belgrade and Prague archives in order to compile visual documentations of the public ceremonies at these sites from their construction to the present. The sites selected for study will be photographically documented by the researchers to record the current state of the monuments and the surrounding landscape. We will create an internet exhibition to show the visual and textual documents of the remembrance landscapes before and after the transformation of both countries. 

 

 

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Bild des Projekts

Erinnern und Vergessen des Zweiten Weltkriegs in sich verändernden politischen Kontexten zwischen 1945 und der Gegenwart

Die öffentliche Wahrnehmung von Denkmälern des Zweiten Weltkriegs in der Slovakei und Bosnien-Herzegowina

Slowakei · Bosnien-Herzegowina

 

Dieses Projekt erforscht die sich wandelnde Deutung der Geschichte in der Slowakei und in Bosnien-Herzegowina anhand der öffentlichen Wahrnehmung von Mahnmalen des Zweiten Weltkriegs zwischen 1945 und heute. Als frühere Konstituenten der kommunistischen „Vielvölkerstaaten“ Tschechoslowakei und Jugoslawien, streben die beiden souveränen Staaten nun eine eigene Erinnerungspolitik bezüglich des Zweiten Weltkriegs an. Den ersten Schritt der Untersuchung bildet die Auswahl einzelner Mahnmale in beiden Ländern, deren Bau, inhaltlich-ikonografische Ausrichtung und städtebauliche Bedeutung während und nach der Zeit des Kommunismus sodann beleuchtet werden soll. Dafür werden wir sowohl kommunistische Sekundärliteratur als auch Materialien aus Belgrader und Prager Archive sichten, um Bilddokumentationen der an diesen Plätzen abgehaltenen öffentlichen Zeremonielle vom Zeitpunkt Ihrer Konstruktion bis heute zu erstellen. Eine Fotodokumentation der ausgewählten Orte wird den gegenwärtigen Zustand der Anlagen im Kontext ihrer Umgebung festhalten. Schließlich werden die textlich und bildlich erschlossenen Erinnerungslandschaften vor und nach der Transformation beider Länder in Form einer Internet-Ausstellung präsentiert.

 

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